Depot Boijmans: eine „Premiere“ in der Welt der Kunst

Ein Blick in das weltweit erste öffentlich zugängliche Depot für Kunst

Inspiration 12 Juli 2022

Wenn man den Museumpark in Rotterdam betritt, fällt der Blick zuerst auf die verspiegelte Fassade des Depot Boijmans van Beuningen. Nicht nur das Gebäude an sich ist einzigartig: Es ist das erste öffentlich zugängliche Kunstdepot der Welt. In dem Depot ist die gesamte Kunstsammlung des Museums Boijmans van Beuningen untergebracht. Mehr als einhundertfünfzigtausend Kunstwerke, ausgestellt in vierzehn Depotsälen unter perfekten klimatischen Bedingungen. In der obersten Etage des Depots befinden sich vier – oder besser gesagt sechs – schöne Pivot Türen aus Eichenholz von Roord Binnenbouw mit der FritsJurgens-Hardware im Inneren.

Am 5. November 2021 war es endlich so weit: Das Depot Boijmans wurde von keinem Geringeren als König Willem-Alexander offiziell eröffnet. Nach dem Bau des Depots, der sich über vier Jahre hinzog, wurde den ersten Besuchern endlich der Zugang zu den mehr als 151.000 Kunstwerken gewährt. Vor dem Bau war nur ein kleiner Teil dieser Werke im Museum Boijmans van Beuningen zu sehen, das lediglich Platz für 3.000 Kunstwerke bot. Der Großteil der Kunstsammlung lagerte in für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Depots. Heute ist die gesamte weltberühmte Sammlung im Depot Boijmans zu bewundern.

Kunst, aber kein Museum

Auch wenn das Depot für die Öffentlichkeit zugänglich ist, erfüllt das Gebäude nicht die gleiche Funktion wie das angrenzende Museum. Das Depot Boijmans organisiert keine Ausstellungen: Die Kunstwerke sind nach Material und Fachgebiet geordnet. Die Sammlung kann entweder auf eigene Faust besichtigt werden oder ist im Rahmen einer Führung zu sehen. Da es sich bei dem Depot um ein funktionierendes Gebäude handelt, erhält man während des Besuchs einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs. Man kann Restauratoren bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und erleben, wie Kunstwerke für den Transport vorbereitet werden. Bei einer Führung durch das Depot hat man auch Zutritt zu einigen Depoträumen, wodurch man die überwältigende Sammlung des Museum Boijmans van Beuningen noch intensiver erleben kann.

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Das Depot verfügt über vierzehn klimatisierte Räumlichkeiten mit Gestellen, Regalen und Schränken, in denen die verschiedenen Kunstwerke untergebracht sind. Es gibt fünf Klimazonen und verschiedene Luftfeuchtigkeitsstufen, um optimale Bedingungen für Gemälde, Metalle, organische und nicht-organische Materialien sowie für Schwarz-Weiß- und Farbfotografie zu schaffen. In den Lagern herrschen konstante Luftfeuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse. Vom Treppenabsatz, der Treppe und dem Aufzug aus sind die Kunstwerke aus allen möglichen Blickwinkeln zu sehen. „Als würde man auf der Suche nach einem bestimmten Buch eine Bibliothek betreten und stattdessen zehn neue Bücher entdecken. In diesem Depot besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Kunstwerken positiv überrascht werden, die Sie sonst noch nie gesehen haben“, so der Museumsdirektor Sjarel Ex.

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Der große Umzug

Der Umzug aller Kunstwerke musste sehr sorgfältig vorbereitet werden, erläutert Sjoerd Voss, der Projektleiter für den Umzug des Depots. Zu Beginn des Umzugs im Januar 2019 war die Boijmans-Sammlung auf fünf Standorte in den Niederlanden und Belgien verteilt. „Wir kennen das Gewicht, die Größe, das Material und das Volumen aller Kunstwerke. Sobald klar war, wo die Arbeiten im neuen Depot untergebracht werden sollten, konnte das große Tüfteln beginnen. Jeder Umzug eines Museumsobjekts muss registriert werden – vom Moment des Abtransports bis zur Ankunft am neuen Standort. Ein Objekt kann niemals an einen anderen Ort verbracht werden, ohne irgendwo registriert zu sein. Das ist eine Voraussetzung beim Umzug von Kunstwerken. Sie gehören nicht Ihnen, sondern sind Eigentum der Gemeinschaft“, so Voss.

Für den optimalen Schutz der Kunstwerke wurden alle Aspekte des Umzugs berücksichtigt: von den Lastwagen bis hin zu den Entladestellen. Danach wurden die Objekte nach Kategorien geordnet in spezielle Depoträume gebracht, in denen perfekt auf das jeweilige Material abgestimmte Klimabedingungen herrschen.

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Nachhaltiges Meisterwerk

Temperatur und Luftfeuchtigkeit in allen Klimazonen werden vom Technikraum aus geregelt, erklärt Wout Braber, Leiter der Abteilung Gebäudewartung. „Das System in diesem Raum ist hochmodern und auf dem neuesten Stand der Technik. Mithilfe von Wasser- und Luftaufbereitungsanlagen sowie von Luftbefeuchtungsanlagen produzieren wir speziell auf die verschiedenen Klimazonen und Abteilungen abgestimmte Luft. Deshalb ist das Depot eine echte Herausforderung in Bezug auf Technik und Zugänglichkeit. Die Präsentation der Sammlung in ihrer Gesamtheit: Das machen wir hier möglich. Am besten gefallen mir die vielen intelligenten Vorrichtungen im Technikraum. Die Schaffung eines solch nachhaltigen Gebäudes mit derartig hohen klimatischen Anforderungen ist etwas ganz Besonderes. Daran waren viele Menschen beteiligt. Besser als so geht es nicht.“

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Beim Bau des Depotgebäudes wurden überwiegend Materialien nachhaltiger Herkunft verwendet, z. B. recycelte Zuschlagstoffe im Beton. Aufgrund der Verwendung innovativer Materialien und Technologien hat das Gebäude eine sehr hohe Energieeffizienz. So verfügt das Gebäude über unterirdische Wärme- und Kältespeicher und der Dachgarten und die Sanitäranlagen werden über Regenwasserspeicher mit Wasser versorgt. Darüber hinaus verwendet das Depot LED-Beleuchtung und Trockenurinale. Solarpaneele auf dem Dach versorgen das gesamte Gebäude mit Strom. Erfahren Sie mehr über Depot Boijmans van Beuningen.

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Die gespiegelte Umgebung

Der Bau des Depots erfolgte im Auftrag der Stadt Rotterdam nach einem Entwurf des Architekten Winy Maas. Er ist Mitbegründer des Rotterdamer Architekturbüros MVRDV. Sein Ziel war die Gestaltung eines einladenden Depots für die Öffentlichkeit, in dem sich die Besucher willkommen fühlen sollten. Das konkrete Anliegen war die Schaffung eines zugänglichen Gebäudes, das auf transparente Art und Weise zeigt, wie die Kunstsammlung aufbewahrt wird. Das ist der Gedanke, der der runden Form des Depots zugrunde liegt: Das Gebäude hat weder eine Vorder- noch eine Rückseite, so dass es von allen Seiten einladend wirkt.

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Teil des Auftrags: Der Museumpark, in dem sich das neue Depot befindet, sollte so weit wie möglich unberührt bleiben. Anstatt den Charakter des Parks zu verändern, musste das Depot Boijmans vielmehr eine ganz neue Beziehung zu ihm aufbauen. Zur Erfüllung dieser Vorgabe schuf Maas eine auffällige Spiegelfassade für das Depot. Die Fassade besteht aus einer 6.609 Quadratmeter großen Glasfläche aus 1.664 verspiegelten Paneelen. Dadurch wird das Gebäude transparent und fügt sich in die Umgebung des Museumparks ein. Mit seiner verspiegelten Fassade gleicht das Depot einem lebendigen Gemälde: Durch die Spiegelung seiner Umgebung erscheint es jeden Tag je nach Wetterlage anders.

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Rotterdam als Kunstsammlung

„Das Bauwerk soll sich in die Umgebung einfügen“, so der Architekt Winy Maas. „Der Gedanke der Unendlichkeit in einem Park erscheint mir sehr wichtig. Landschaftsarchitektur arbeitet häufig mit Spiegeln, durch die der Bereich größer wirkt. Auf diese Weise bleibt der Central Park von Rotterdam grün und durch die Spiegel hat man das Gefühl von Weite. Auch die runde Form unterstützt die Wirkung. Langsam entdeckt man, dass man um die Ecke sehen kann, so dass sich die ganze Stadt vor einem auftut.“

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„Außerdem sieht man in den Spiegeln die Veränderung der Umgebung, und das gefällt mir sehr“, ergänzt Maas. „Früher war dieser Ort eine triste Baugrube, und jetzt wird er zunehmend grüner. Das Depot symbolisiert die Entwicklung von Rotterdam. Sie ist vielleicht die einzige Stadt der Welt, in der jedes einzelne Gebäude einen Mehrwert bietet. Seit der Bombardierung der Stadt vor siebzig Jahren trug jedes neue Gebäude zur Entwicklung der Stadt bei. Jedes Jahrzehnt hat seinen eigenen Stil und bereichert Rotterdam“.

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Preisgekrönter Dachgarten

Das Depot hat eine Fläche von etwa 15.000 Quadratmetern. Im gesamten Gebäude sind Kunstwerke ausgestellt: vom Eingang im Erdgeschoss bis zum Restaurant mit dem Dachgarten. Mit seinen 39,5 Metern Höhe ist es genauso hoch wie der Museumsturm des benachbarten Museums Boijmans Van Beuningen. Die grüne Umgebung, in die das Gebäude eingebettet ist, spiegelt sich in dem Dachgarten mit Restaurant wider. Wenn man das Depot aus der Luft betrachtet, sieht man, wie das Grün des Dachgartens mit dem Grün des Museumparks verschmilzt. Der Durchmesser des preisgekrönten Dachs misst 60 Meter. Die Birken, Gräser und Kiefern auf dem Dach speichern das Wasser, fördern die Artenvielfalt und verringern die Hitzeentwicklung in der Stadt.

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Auf dem Dach stehen insgesamt 75 sibirische Strauchbirken und 20 Kiefern. Diese wurden horizontal angepflanzt, da sie nur 60 bis 70 Zentimeter in den Dachgarten hineinwurzeln können. Aus diesem Grund wurden die Bäume für dieses Projekt in einer Baumschule auf ihr neues Zuhause vorbereitet. Ihre Wurzeln sind miteinander vernetzt, wodurch sie selbst in einer Höhe von 35 Metern unempfindlich gegen Stürme sind. Ein Hochgeschwindigkeitsfahrstuhl bringt die Besucher vom Erdgeschoss auf den Dachgarten, von wo aus sie einen atemberaubenden Blick auf Rotterdam genießen.

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Innen und außen spektakulär

Das Depot Boijmans wurde mit dem Publikumspreis des Architizer A+ Awards ausgezeichnet: eine weitere Auszeichnung in der Reihe der Preise und Nominierungen, die das erfolgreiche Depot-Design von MVRDV inzwischen erhalten haben. Der Preis wurde auf der Grundlage tausender Stimmen in der Kategorie „Galerie und Ausstellungsraum“ vergeben. Dabei wurde das Depot zum Sieger unter fünf Finalisten gewählt. Aber nicht nur von außen sieht das Depot spektakulär aus, auch innen hat es einiges zu bieten. Für die Ausstattung kooperierte das Boijmans mit den Künstlern John Körmeling und Marieke van Diemen. Die Künstlerin Pipilotti Rist schuf ein faszinierendes Kunstwerk für den Außenbereich.

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Von Körmeling stammt der Entwurf für die Innenausstattung und die Beleuchtung in der Eingangshalle. Er ersetzte die ursprünglich gemauerte Wand zwischen der Eingangshalle und dem Kunstdepot durch eine Glaswand. Auf diese Weise lässt sich der runde Raum des Depots schon beim Betreten bewundern. Im Eingangsbereich ließ er einen freistehenden Balkon installieren, der der runden Form des Gebäudes folgt. Van Diemen war verantwortlich für die Gestaltung von The Maze: eines dreidimensionalen Labyrinths im Atrium des Depots. Es besteht aus schwebenden Schaukästen, in denen Kunstwerke und Gegenstände aus der Sammlung ausgestellt sind. Das Atrium befindet sich in der ersten Etage des Depots und erstreckt sich bis zum Dach des Gebäudes.

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Eine kleine Vorschau

Die Architekturjournalistin Kristen Hannema begab sich auf eine Entdeckungsreise durch das Depot und schilderte in der Zeitung Volkskrant ihre Erfahrungen im Atrium: „Über einem befindet sich ein Teppich aus funkelnden Edelsteinen, unter den Füßen glitzert Tafelsilber und man blickt herab auf eine mittelalterliche Skulptur. Drei große gläserne Aufzüge – zwei für die Besucher, einer für die Kunstwerke – fahren durch den meterhohen Raum aus Beton, Glas und Stahl, durch den sich Treppen wie in einer Zeichnung von Piranesi in die Höhe schrauben. Beim Durchwandern des Raums, der nach oben hin immer breiter und heller wird, geht der Blick von einem Gewölbe zum anderen und plötzlich befindet man sich Auge in Auge mit einem Restaurator, der gerade ein auf einer `Tischplatte´ abgelegtes Kunstwerk bearbeitet.“

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Pivot Türen im sechsten Stock

Die gläsernen Aufzüge bringen die Besucher in kürzester Zeit in die sechste und letzte Etage des Depots. Hier befinden sich neben dem Technikraum das Restaurant und der Veranstaltungsbereich. Diese sind durch eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden, auf der die Besucher das Atrium überqueren können. Der Name dieser Brücke lautet "showcase 13", da hier auch Kunstwerke ausgestellt sind. In diesem Eventbereich befinden sich vier Pivot Türen aus Eichenholz von Roord Binnenbouw mit der FritsJurgens-Hardware im Inneren. Je nach Bedarf schließen sie den Raum auf elegante Weise ab oder öffnen ihn. Wenn keine Veranstaltung stattfindet, sind sie in einem Winkel von 90 Grad geöffnet. Wenn sie alle nebeneinander und im gleichen Winkel geöffnet sind, hat man einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Rotterdam.

Art and pivot doors: a great combination

Gemeinsam durch eine Tür

Die Pivot Türen sind 2 Meter breit, 4,5 Meter hoch und wiegen jeweils etwa 300 Kilogramm. Dennoch lassen sie sich nur durch einen sanften Schubs in Bewegung setzen. „Das ist immer wieder eine große Überraschung“, sagt Jeroen Iemhoff. Als Vertriebsleiter der Firma FritsJurgens war er intensiv in das Boijmans-Projekt eingebunden. „Aufgrund ihrer Größe und ihrer fließenden Bewegungen stoßen die Türen bei den Besucherinnen und Besuchern auf großes Interesse. Durch die darüber angebrachten Spiegel erscheinen die Pivot Türen sogar doppelt so groß. Der Umstand, dass man keine Scharniere oder Schlösser sieht, sorgt für einen ganz besonderen Effekt. Ein schönes Detail: In einer der vier großen Türen gibt es eine kleinere, die speziell für das Catering-Personal gedacht ist. Auf diese Weise können sie den Veranstaltungsort betreten, ohne die großen Türen öffnen zu müssen.

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Das Depot Boijmans erfüllt in jeder Hinsicht die Definition eines Gesamtkunstwerks: Jedes Bauteil, sowohl innen als auch außen und überall dazwischen, wird durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Künstler geformt. Vom großartigen Design bis hin zu den ausgestellten Werken: Jedes Element erfüllt eine einmalige Funktion in diesem ersten öffentlichen Kunstdepot der Welt. Darunter auch die Pivot Türen von Roord Binnenbouw mit der FritsJurgens-Hardware im Inneren, die die Stadtlandschaft von Rotterdam zum Greifen nah erscheinen lassen oder bei privaten Veranstaltungen eine intime Atmosphäre schaffen. Was auch immer der Grund für Ihre Anwesenheit sein mag, der Besuch des einzigartigen Hinguckers im Rotterdamer Museumspark ist der Beginn eines künstlerischen Abenteuers.

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